ALFA 75 vom Schlosser

  • Erstmal Danke für die freundliche Aufnahme hier im Forum und natürlich auch beim Berliner Stammtisch :wink:


    Hier möchte ich euch die Geschichte rund um unseren Alfa etwas näher bringen und die wichtigsten Restaurationsschritte vorstellen.



    Fahrzeugdaten:

    Alfa Romeo 75 2.0 TwinSpark

    Limited Edition Nr. 0472

    BJ 1991

    Modifkation:

    Koni Gelb

    Zugstreben umgebaut auf 105er Gelenke

    Raid Sportlenkrad

    Fahrwerk, ca.30mm tiefer und einige Buchsen schon auf PU umgebaut



    Geschichtliches:

    Ausgeliefert 1991 nach Berlin und war dort bis 2000 beim Erstbesitzer.

    2007 wurde der Wagen im Landkreis Teltow-Fläming wieder an und ein Jahr Später abgemeldet.

    Wo er von 2000-2007 war konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen.

    2010 wurde er von einem Bekannten in Zossen bei Berlin auf einen skurrilen Autohof wieder entdeckt.

    Vielleicht schaffe ich es mal Informationen vom Erstbesitzers oder dessen Verwandtschaft zu bekommen. Wird aber wohl schwierig.



    Wie wir zu dem Auto kamen.

    Nachdem mein Vater einen 75er sein eigen nennen konnte, waren wir auf der Suche nach Ersatzteilen. Der erste Schlachtwagen war im Grunde schon Tot und wurde durch etliche salzige Winter derart malträtiert das man in den Radhäuser locker Torwand-schießen machen konnte.

    Dieser wurde kurzum zerlegt und alles bis auf die Karosserie eingelagert.



    2010 entdeckte ein Bekannter zwei 75er in Zossen auf diesen skurrilen Hof.

    Der Besitzer gab beide nur im Doppelpack ab und so ging einer nach Berlin und einer zu uns nach Fürstenwalde

    Was aus dem 75er der nach Berlin ging wurde, ist leider nicht bekannt, der Kontakt ging leider verloren.

    Usprünglich als Teilerträger gedacht, stellte sich die Karosserie als so Gesund heraus das eine Schlachtung nicht mehr in Frage kam.



    Und dann ging es los.

    Ich werde hier nur die Groben und für mich wichtigsten Schritte beschreiben, bei mittlerweile über 400 Bildern wird das sonst zu viel :)



    2010 auf dem Autohof bei Zossen

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    Grobreinigung

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    Erste Bestandsaufnahme

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    Demontage

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    Kampf der braunen Pest:

    Bis auf einige kleine Stellen im Heckbereich und an der Kühlertraverse unten, war der Wasserkasten am schlimmsten betroffen.


    Bereich Tankbefestigung

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    Kühlertraverse

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    Wasserkasten

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    Fertig, neues Blech und Farbe

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    Umbau der Zugstreben auf Unibalgelenke vom 105er ( Alfa Romeo Gulia)

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    Getriebe samt Achse demontiert für Bestandsaufnahme.

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    Von 2012 bis 2015 folgte dann eine Pause wegen Weiterbildung und Hausbau, es war einfach keine Zeit mehr und die Prioritäten mussten verlegt werden.



    Weiter ging´s im Jahr 2015



    Tank Restauration:

    Rost und Löcher an der Befestigung der Vorförderpumpe.

    Also Ring runter, schweißen,schleifen,grundieren und Tank lackieren.

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    Motorrevision:

    Der Rumpfmotor blieb im Fahrzeug. Zylinderkopf ging zu Planen. Einen überholte Auslassnockenwelle war fällig und der übliche notwendige Krempel

    wie Dichtungen, Kerzen, Filter, Motorlager etc



    Ventilspiel einstellen

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    Vorbereitung Zylinderkopfmontage

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    Bei der ersten Montage habe ich den Draht, der die Steuerkette festhält, eingeklemmt.

    Somit war der Tag nach nur 30 Minuten beenden und ich musste eine neue Kopfdichtung bestellen:wand:


    Kopf montiert ,fast fertig mit Bella Machina :)

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    Getriebe und der Hinterachse:

    Getrieb ausgebaut, gereinigt undÖl gewechselt

    Stabilisator mit PU Buchsen versehen, der Rest war erstaunlicher Weise noch gut in Schuss.

    Selbst Bremsscheibe und Beläge hinten wurde weiter verwendet, vorne habe ich allerdings alles neu gemacht.

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    Am Sonntag 22.05.2016 um 10.45 Uhr erwachte das Herz wieder zum Leben

    Probefahrt, trotz Regen

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    Januar 2017

    Auf geht’s zum Lackierer

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    Frisch lackiert zurück

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    Karosserie komplettieren

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    Dachhimmel:

    Hier hatte sich der Stoff von der Form gelöst, da der alte Stoff beim waschen eingelaufen ist und auch ziemlich mürbe war, wurde kurzerhand der komplette Himmel neu bezogen.

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    Die Sitze sind leider nicht die der Limited Edition, hier sind Serienmäßig Recarositze verbaut

    Die hatte wohl einer der Vorbesitzer ausgebaut und gegen normale ausgetauscht.


    Der Restliche Innenraum wurde gereinigt und die Elektrik wieder funktionsfähig gemacht.

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    Felgen aufbereiten:

    Die Felgen waren schon sehr mitgenommen, Klarlackunterwanderungen und Bordsteinschäden.

    Ich hätte Sie auch zum Felgenprofi geben können aber ich stellte mich der Herausforderung und sparte so doch einige Taler.



    Entfernen der Zierstopfen mittels Holzschraube und Zange.

    Die Zierstopfen sollten erhalten bleiben das es diese so nicht mehr gibt.

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    Bis auf 6 Stück von 96 konnte alle ohne Bruch demontiert werde.

    Dann habe ich mir die Hinterachse vom Schlachtwagen auf die Werkbank geschnallt, eine Schleifbock auf den Fußboden geschraubt, über die Felgen und der Schleifscheiben einen alten Fahrradschlauch gespannt und mit Schleifpapier von 60-420 Körnung die Felgen außen abgeschliffen.

    Auf Grund der schwachen Motorleistung des Schleifbocks hat das Pro Felgen ca 4-6 h Zeit in Anspruch genommen.

    Sehr mühselig, ne riesen Sauerei (Nassschliff) und auch nicht perfekt.

    Aber fürs lackieren hat's gereicht.

    Die Felgen wurden dann von einem Lackierer innen mit Felgensilber nach lackiert und anschließend alles mit Klarlack versiegelt

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    Um die Zierstopen wieder zu montieren habe ich 3mm Innensechskantschrauben aus Edelstahl verwendet und diese als Zierkopf eingeklebt, bei den abgebrochenen habe ich in den verblieben Rest, welcher ja noch in der Felge steckte, ein 3mm Gewinde geschnitten und die Köpfe der Zierstopfen somit wieder befestigt.

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    März 2018

    Alles Komplett und endlich fertig für die TÜV Abnahme.


    Probefahr bei -12 Grad musste aber sein.

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    Per Huckepack ging's zur Abnahme

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    1.4.2018 mit TÜV und angemeldet kam der guten endlich nach Hause

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    Und ja es hat mal wieder geregnet....

    Die Speedline-Felgen waren zu dem Zeitpunkt noch beim Reifendienst.



    Das waren die letzten 8 Jahre in kurzform.


    Abschlussstatement:

    Einige werden sich wahrscheinlich wundern warum das fast 8 Jahre gdauert hat.

    Ich war nie kontinuierlich dabei sondern nur so wie ich Lust, Zeit und auch des notige Kleingeld hatte.


    Ganz besonderen Danke geht hier an meinen Vater, ohne den dies alles nicht möglich gewesen wäre.


    Auch danke ich den Enthusiasten und Kenner in diversen anderen Foren für die Veröffentlichung vieler Werkstattberichte und die Unterstützung bei vielen Fragen rund um den 75er.

    Alleine und ohne das Wissen derer, wäre der Wagen wohl noch nicht fertig und ich bestimmt mehrmals am Randes des Nervenzusammmenbruches.

    Viele Teile habe ich im Laufe der Zeit zerlegt gereinigt und wieder zusammengebaut und so stetig dazu gelernt.

    Manchmal ging es auch zwei Schritte zurück und manches ist sicher nicht perfekt an dem Wagen, aber bis auf die speziellen Sachen wie Zylinderkopf planen, Spur einstellen, lackieren etc, haben wir alles selbst durchgeführt und sind auch ein wenig Stolz darauf.:joint:

    Der Grund für die Veröffentlichung ist, das ich hiermit denen Menschen Mut machen möchte die vielleicht gleiches vorhaben.

    Ohne solche Berichte wäre ich auch nicht so weit gekommen.

    Wichtig ist das man nicht aufgibt und wenn mal was nicht läuft macht man die Werkstatt dicht und schaut den Wagen einige Tage nicht an,dann gehts wieder^^


    Ich hoffe Ihr hatten Spass beim lesen und ich werde hier noch so manche Highlights niederschreiben und die Dokumentation weiterführen so lange es geht.

    Fragen über die höhe der Invenstitionen kann ich nicht beantworten, das habe ich mit Absicht nicht niedergeschrieben oder zusammen gerechnet:P


    Demnächst folgt noch der Grund für den derzeitigen Getriebtausch und ein Bericht über die Abdichtung des Motor der derzeit ausgebaut wird.



    Gruß Steve


    Fortsetzung folgt.....










  • Super, da werden Erinnerungen an meinen alten 75' er wach:wink:. Sehr Schön:AlfaFahne:. Ich erinnere mich immer wieder gern, dass die Handbremse immer wieder Grund für Erstaunen und Fragen war. Vielleicht schaffe ich mir auch noch einmal einen 75'er an:joint:. Das Fahrwerk mit den Drehstäben war einfach nur Klasse:like:.

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  • also ich mit meinem Bordstein Parkplatz traue mich an nix ran.

    Darum bin ich jetzt fast schon Neidisch

    auf Dein gelungenes super duper Projekt.


    Da steckt doch von vorn bis hinten jede Menge Herzblut drin.


    Chapeau !!

    safe water - drink wine

    mit 'nem Dachschaden kann man die Sterne besser sehen

    Man muß die Schuld auch mal bei anderen suchen

  • Super, da werden Erinnerungen an meinen alten 75' er wach:wink:. Sehr Schön:AlfaFahne:. Ich erinnere mich immer wieder gern, dass die Handbremse immer wieder Grund für Erstaunen und Fragen war. Vielleicht schaffe ich mir auch noch einmal einen 75'er an:joint:. Das Fahrwerk mit den Drehstäben war einfach nur Klasse:like:.

    Stephan, der 75er war ein wunderbarer Alfa.traumhaftes Fahrwerk und die Handbremse war ein absolutes Highlight. Hatte auf die Frage, "was isn dis?", immer nur ein Grinsen im Gesicht. Vor allem nach meiner Antwort, "natürlich die Handbremse, sieht man doch!", dann der Kommentar, "hä!".

    :bäh:Gruß Christof :uw1: