Restaurierung eines Alfa Spider Type 102

  • Prolog


    Ich wurde hier und in einem anderen Forum gebeten was zu dieser Restaurierung zu schreiben. Ich befinde mich im Endstadium der Restaurierung und arbeite das kapitelweise nach.

    Hier sind eventuell einige, die das Modell, das ich da restauriere nicht so recht kennen. Das ist nicht despektierlich gemeint, viele alte Alfisti haben das Auto nicht so recht auf dem Schirm. Oft wird er mit Giulietta bzw. Giulia Spider verwechselt.


    Nach dem Krieg hat Alfa ab 1950 mit dem 1900 den Weg von der Manufaktur von Fahrgestellen, die dann von Karosserieherstellern eingekleidet wurden, zum Serienhersteller eingeschlagen.


    Nach dem 1900 kam 1954 auch die erste Giulietta, die auch schon höhere Stückzahlen erreichte. Nachfolger vom 1900 war dann die 2000er Serie, aus der ich den Spider restauriere. Technisch basiert der 2000 weitgehend auf dem 1900. Die Stückzahlen hielten sich in Grenzen:


    Berlina: 2799


    Spider: 3443


    Sprint (kam erst später): 704


    Die Autos waren relativ teuer, technisch ihrer Zeit allerdings auch weit voraus, bzw. aufwendig. Während Brot und Butter Autos noch mit 3 Gängen und unten liegender Nockenwelle rumfuhren, hatte der Alfa schon 5 Gänge und 2 oben liegende Nockenwellen.


    Am häufigsten erhalten ist sicher, wie so oft, der Spider. Berlinas sind schon recht selten, einen 2000 Sprint habe ich noch nie gesehen. Schon 1973 gründete sich in Deutschland ein Club für diese Autos, da die Ersatzteillage seitens Alfa schon sehr problematisch wurde. Der Club hat heute rund 100 Mitglieder, teils aus dem Ausland. Auch wenn manche mehrere Autos (2000 und Nachfolger 2600) haben, gibt das einen Anhaltspunkt, wie viele dieser Autos noch auf der Straße sind. Für den 2000 Spider schätze ich die Stückzahl in Deutschland auf ca. 25 bis 30.


    Kapitel 1: Geschichte


    Ich hatte 1985 einen Fastback Spider Bj. 71 gekauft. Der TÜV war neu und gefakt. Die Karosserie schon mal lackiert, so dass er einigermaßen gut aussah. Ich war jung, hatte keine Ahnung und bin einem Blender aufgesessen. Ich hatte ihn dann zwei Jahre während der Technikerschule mehr schlecht als recht restauriert. So was sollte mir nicht noch mal passieren und beschloss als nächstes gleich ein Restaurierungsobjekt zu kaufen. Noch dazu reizte mich der Gedanke, ein Wrack wiederauferstehen zu lassen und so die Alfawelt zu bereichern.


    Der 102 gefiel mir rein optisch. Die Entscheidung war schnell gefallen. So ein Auto sollte es werden. Es war ja eine Vision für die ferne Zukunft, wenn ich einmal die Möglichkeit in Form einer Werkstatt hätte und wer weiß, wann sowas überhaupt mal angeboten wird (in Zeiten ohne Internet). Es kam schneller als gedacht.


    Kurz gesagt: Ein halbes Jahr (1995!) später wurde ein „Auto“ in der Oldtimer Markt angeboten. Jemand machte aus zwei Autos eines und ich kaufte die Reste.




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    Für´s erste konnte ich ihn bei einem Freund in der Wellblechgarage unterstellen, später in einer Halle meines Arbeitgebers. Die Karosserie war nicht nur stark verrostet (obwohl 1972 letztmalig angemeldet) sondern hatte hinten links auch einen Unfallschaden. Ende der 90er mietete ich dann eine kleine Werkstatt mit Garage. Leider war die relativ teuer und 35 km entfernt. Ein anderes Schrauberdomizil sollte gekauft werden, da mir Miete zahlen zuwider war. Es fand sich eine Scheune mit Haus Bj. 1899 mit Renovierungsstau. Also flossen wieder ein paar Jahre in andere Arbeiten als in den Spider.


    Im Jahre 2006 sah ich die Anzeige einer weiteren Karosserie.


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    Ich hatte mittlerweile eingesehen, dass das Projekt zu viel Zeit brauchen wird und mit einer besseren Karosserie könnte ich mir viel Zeit sparen. Ich musste mich ja natürlich auch um die anderen Autos (verschiedene Alfa 75, 33, Mini und auch meinen Fastback) kümmern, wo auch nicht immer alles reibungslos lief. Es waren wieder ein paar Kisten mit Teilen dabei. Parallel kaufte ich seit 1995 schon so ziemlich alle Teile, die irgendwo auf dem Markt angeboten wurden. Dank ebay dann auch einiges international, da viele Autos ja auch in den USA liefen. 2013 konnte ich dann das Nachbargrundstück erwerben und eine schöne, große Garage bauen und meine Platzprobleme endgültig lösen. 2017 war es endlich soweit. Ich nahm das Projekt ernsthaft in Angriff.

    Gruß

    Manfred

    • Neu
    • Offizieller Beitrag

    Hallo Manfred,

    vielen Dank für deine Mühe, die Geschichte hier noch einmal zu veröffentlichen. :like:

    Liest sich bis hierhin schon sehr interessant. Bin auf den weiteren Verlauf und die dazugehörigen Bilder gespannt.



    Schon 1973 gründete sich in Deutschland ein Club für diese Autos, da die Ersatzteillage seitens Alfa schon sehr problematisch wurde. Der Club hat heute rund 100 Mitglieder, teils aus dem Ausland. Auch wenn manche mehrere Autos (2000 und Nachfolger 2600) haben, gibt das einen Anhaltspunkt, wie viele dieser Autos noch auf der Straße sind. Für den 2000 Spider schätze ich die Stückzahl in Deutschland auf ca. 25 bis 30.

    Hier der Link zu dem Club >>> Klick <<< für alle , die noch etwas mehr erfahren wollen.


    Hatte letztes Jahr bei einer Ausfahrt des Classic Clubs das Vergnügen den Vorsitzenden und ein paar Mitglieder des Clubs kennenzulernen.

  • Kapitel 2: Karosserie



    Ursprünglich wollte ich die Karosseriearbeiten ja selbst machen. Ich hatte dazu die Kurse bei der Fahrzeugakademie Schweinfurt besucht. Bei dem Kurs habe ich tatsächlich eine perfekte Viertelkugel aus einem flachen Blech gehämmert. Als ich das Jahre später für die Reparatur einer Reserveradwanne bei einem Alfa 75 wieder brauchte, war von dieser Fähigkeit nichts mehr übrig. Mein Talent liegt eindeutig nicht in der Blechbearbeitung. Fertige Reparaturbleche sind natürlich nicht erhältlich. Alles muss selbst gefertigt werden. Ich sah ein, dass ich diese Arbeiten einem Profi überlassen musste. Hinzu kam, dass die „neue“ Karosserie einen vergrößerten Getriebetunnel hatte.

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    Anscheinend hatte in den USA mal jemand versucht einen anderen Motor einzubauen. Leider hatte ich das beim Kauf in einer schlecht beleuchteten Tiefgarage nicht bemerkt.

    Vom Club 2000/2600 wurde mir ein Karosseriebauer in Göttingen empfohlen, der schon viele dieser Autos gemacht hat, bzw. macht und auch Clubmitglied ist. Als ich mir den Laden anschaute, waren auch gerade zwei 2,6er Spider in Arbeit und das Ganze hörte sich, auch finanziell, gut an.

    Nach dem Strahlen war von der „Herrlichkeit“ der Karosserie allerdings nicht mehr viel übrig. Fast alle Bleche der unteren 20cm mussten ersetzt werden. Hier eine Auswahl an Bildern.

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    Das Ganze dauerte rund zwei Jahre und bei der Abholung sah alles gut aus. Den Unterboden, Motor- und Kofferraum hatte ich gleich schwarz lackieren lassen, der Rest wurde weiß grundiert. Leider war ich mit den Achsen noch nicht so weit. (warum, siehe spätere Kapitel). Bis ich also die Karosserie das erste Mal auf der Bühne hatte, vergingen noch mal rund zwei Jahre. Hierbei zeigte sich leider so mancher Pfusch. Zunächst waren es Kleinigkeiten. Wie kann es sein, dass an einer Ecke im Unterboden ein Loch zwischen den Blechen ist, so groß, dass ich den kleinen Finger durchstecken kann? Die größte „Kleinigkeit“ war, dass die Konsole der Kofferraumbetätigung so außermittig angeschweißt war, dass der Hebel innen vom Knopf außen nicht „getroffen“ wurde.


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    Da war ich dann doch etwas verärgert kontaktierte einen bekannten Oldtimeranwalt in Heidelberg. Dort erfuhr ich, dass die Garantie abgelaufen ist und der Karosseriebauer dort schon sehr bekannt ist.


    Endgültig die Schnauze voll hatte ich dann später nach der Überholung des Motors. Beim Einbau der Motor-Getriebe Einheit brauchte ich eine Holzlatte als Hebel um das Getriebe unten zur Seite zu hebeln, um es einfädeln zu können. Es stellte sich heraus, dass der neue Getriebetunnel auch der rechten Seite schlicht zu schmal geraten ist. Leider kann man das durch den schwarzen Unterboden auf dem Foto schlecht erkennen.


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    Mit dem Herrn aus Göttingen wollte ich nichts mehr zu tun haben, die Suche nach einem neuen Karosseriebauer war schwieriger als gedacht. Nach ca. einem halben Jahr kam der entscheidende Tipp von Rolf und so ging die Reise ins Saarland. Die zwei Jungs haben für die Änderung natürlich Auspuff und Getriebe ausbauen müssen. Irgendwann kam ein Anruf: Du, aus deinem Auspuffkrümmer tropft Wasser. Ich war Rückschläge schon gewohnt, mehr davon später im Kapitel Motor. Ansonsten war ich sehr zufrieden. Später bei der erneuten Montage der Motorhaube war ich mit dem Übergang zum Blech vor der Windschutzscheibe nicht 100% zufrieden, so dass ich noch einmal für einen Tag mit dem Hänger hingefahren bin. Auch das haben sie gut hingekriegt.

    Gruß

    Manfred

  • Aber doch heftige Rückschläge, gerade weil man sich auf den Göttinger verlassen hatte und er noch zwei 2.6 da stehen hatte, und dann sowas, ich gehe davon aus, das Sie in den USA nen V8 dort rein bauen wollten, hatte mal vor vielen Jahren bei EBAY USA nen Porsche 914 mit nem V8 gefunden, jeder deutsche TÜV Prüfer würde wahrscheinlich bei so etwas kollabieren

    Weiter jetzt viel Erfolg

    Lieber haben wie brauchen:love:

  • Bei uns hier fährt sogar einer rum mit V8. Den hat er in Südafrika bekommen. Der ist öfter bei regionalen Oldtimertreffen. Als der Besitzer wieder nach Deutschland zurückwollte, war ihm die Verschiffung zu teuer und hat ihn nur bis Mumbai schippern lassen. Von dort ist er auf eigener Achse nach Deutschland gefahren. So zumindest steht es auf der DIN A4 Seite, die er bei den Treffen immer an der Windschutzscheibe hat.

    Gruß

    Manfred