Dieser Lancia ist eine Reminiszenz an meine Studienzeit. Ein guter Freund hatte einen Beta Spider, der mir vor allem wegen seines (damals) explosiven Registervergasers, der in der zweiten Stufe einen kleinen Quasiturbo zündete, sehr gefiel. Betas sind ja inzwischen seltener als Alfas, daher fiel mir ein Inserat eines Händlers in Neapel, den ich schon einmal besucht hatte, sofort ins Auge. Ein sehr schönes Coupe in meiner Lieblingsfarbe mit senfgelber (!) Innenausstattung. Das Interieur war für einen süditalienischen Wagen sehr gut erhalten - nicht verbrannt und rissig, wie die meisten - und laut Verkäufer rostfrei. Ich kaufte das Auto unbesehen...
Hier angekommen, war ich von der Karosserie- und Innenraumqualität tatsächlich nicht enttäuscht worden... ein sehr schönes kleines Auto... nur habe ich es kaum von der Einzelabnahme beim TÜV nach Hause geschafft... Der Blick auf den über dem Hinterachsträger verborgenen Benzinfilter verhieß nicht gutes, und der Blick in den Tank war erschreckend.... das Auto sei jahrelang gestanden, das Kondenswasser hatte genügend Zeit, für Rostbildung zu sorgen... dem Verkäufer war diese Sache unangenehm, entrosten musste ich den Tank aber selbst - gesagt getan, kleine Betonmischmaschine gekauft, Spax in den Tank, und fleissig drehen lassen.... anschließend eine Tankversiegelung mit Fertan und... schön schaut er innen aus, der Tank... schade, dass man die Innenseite nicht mehr so oft sieht....
Die anschließenden Probefahrten waren dadurch gekennzeichnet, dass Fahrer und Auto immerhin zuverlässig nach Hause kamen.... allerdings mit sehr mässiger Laufkultur des Motors und heulenden Geräuschen aus dem Vorderwagen... die beim Fahrer aufgrund des Alters unvermeidlichen Falten bekamen bedauerlicherweise zusätzliche Kontur... denn ein Radlagerwechsel beim Beta ist nicht ganz trivial, denn das Werkzeug für die Nutmutter ist nicht erhältlich - nirgendwo. Glücklicherweise konnte Georg ( Alfabeto) Abhilfe schaffen und ein funktionales Werkzeug aus einer hochwertigen Aluminiumlegierung herstellen, ds die mehreren hundert Nm Drehmoment klaglos wegsteckte. Der Lagerwechsel am eingebauten Achsschenkel war damit problemlos möglich.
Die wegen der schlechten Laufkultur vorgenommenen Tests von Zündung und Kompression waren okay, neue Zündkerzen, Zündkabel, Verteilerdeckel- und Finger erbrachten keine Änderung, sodass ich eine Vergaserrevision in Angriff nahm. Überraschenderweise war der Weber recht sauber, aber die Schwimmernadel war statt einer 1,75 nur eine 1,5, und der Schwimmer war total verstellt. Nach Korrektur dieser Fehler und dem Austausch der üblichen Verschleissteile sowie der Dichtungen läuft das Wägelchen nun bestens. Das Auto ist agil, schnell, das Fahrwerk auch für heutige Verhältnisse noch recht gut - die Hinterachse lenkt sogar etwas ein, eine Vorform einer Raumlenkerachse - das Design ist immer noch ansprechend - trotz Eingemeindung zu Fiat ist die Karosserie noch eigenständiges Lancia-Design. Habe den Blindkauf trotz der ganzen Überraschungen nicht bereut.