939 (Brera/Spider) Rückleuchten: Handreichung zur Reparatur/Ausbesserung von stark beschlagenen/vollgelaufenenen Rückleuchten/Heckleuchten/Rücklichtern

  • Der 939-Plattform gemein sind anfällige Rückleuchten, welche gerne Feuchtigkeit anziehen und diese halten. Zu Beginn gekennzeichnet durch persistent beschlagene Außenlinsen ist es nicht unüblich dass Rückleuchten mit zunehmendem Alter Wasser stauen, was im extremfall so aussehen kann:

    Rücklichtwasser_nachfüllen.jpg

    Wenn es so weit gekommen ist, wird es notwendig, die Heckleuchte zu entwässern und vor erneutem Wassereinbruch zu schützen. Das ist im Handumdrehen zu Hause bei gutem Wetter an einem Nachmittag selbst erledigt, wobei einige spezielle Werkzeuge und Mittel notwendig sind, um diese Arbeit abschließen zu können. Gebraucht wird:


    - 1 10mm Nuss (lang)
    - 1 Verlängerungsadapter für die Umschaltknarre, mindestens 10cm lang

    - 1 Umschaltknarre

    - 2 Wischtücher, eines davon am besten so abgenutzt, dass es danach sorgenfrei in den Abfall wandern kann

    - 1 Schlitzschraubendreher

    - 1 Fläschchen Gummipflege (Sonax o.Ä)

    - 1 Weiche Bürste

    - 1 Feine Flaschenbürste

    - Handbohrer/modellbaubohrer

    - 0,5mm Bohrbit (Holz oder Metallbits sind funktionell, Metallbits sind empfehlenswert, da Sie feiner schneiden)

    - Zeitungspapier als Unterlage

    - Captain Tolley Creeping Crack Cure

    - Desinfektionsspray oder Ethanol in der Pumpflasche
    - Brunox Epoxy nach Bedarf


    Gutes Wetter (Sonnenschein und niedrige Luftfeuchtigkeit sind unabdingbar, wenn keine beheizte und klimatisierte Garage zur Verfügung steht! Steht das Barometer bei ~12°C bei über °70% Luftfeuchtigkeit sind alle Mühen vergebens!!!


    Vorgehen:


    Heckklappe öffnen, Hutablage entfernen. Hierzu die Hängeösen von den Schrauben an der Heckklappe nach Oben schieben, Hutablage herausheben. Drinnen bietet sich dann, vom Fahrgastraum gen Heck gesehen, folgendes Bild:
    reparatur1.jpg

    Die beiden "Schrauben" sind lediglich Metallclips, welche die Abdeckung halten. Die beiden Schrauben u 180° mit dem Schraubendreher nach unten drehen, die Abdeckung Oben nach Innen biegen und herausziehen. Sie ist Unten in der Kofferraumverkleidung mit drei Nasen befestigt, viel kraft ist nicht notwendig.


    reparatur2.jpg


    Danach sehen wir folgendes:

    reparatur3.jpgreparatur4.jpg

    Hinter der Abdeckung sind 3 der vier Schrauben der Heckleuchte sichtbar. Die Vierte befindet sich hinte reinem Drehverschluss am Plastikteil mittig des Kofferraumes. Dieses mit dem Schraubendreher ebenfalls öffnen, die Pfeilsymbole auf dem Drehverschluss sind selbsterklärend. Die vier Schrauben sind eigentlich Bolzen, welche in die Leuchte selbst eingelassen sind. Herauszuschrauben sind die Muttern auf jenen Bolzen. Die Umschaltknarre mit dem Verlängerungsstück und der Langen Nuss beladen. Die lange Nuss ist notwendig, da die Bolzen einiges über die Muttern hervorstehen. Umschaltknarre auf "Lösen" stellen und vorsichtig anfangen die Muttern herunterzudrehen. Das sollte ohne besonderen Kraftaufwand möglich sein und rasch gehen. Hiernach im äußeren der drei unter der Filzabdeckung sichtbaren Löcher (dem großen rechteckigen) den Kabelstecker lösen. Dies kann knifflig sein und braucht etwas Fingerfertigkeit! Aufgrund der Bauform ist es hier kaum möglich ein Bild davon zu zeigen, beim hineinschauen wird aber klar, was wie gelöst werden muss. Der Stecker gliedert sich in drei Teile: Den mit der Leuchte verbundenen Teil, der Kabelbaumteil des Fahrzeuges und die Plastikhalterung. Der Kabelbaumteil des Fahrzeuges hat eine Drucknische, welche man mit dem Finger betätigt, dann den Kabelbaumteil des Fahrzeuges aus dem Steckerteil der Leuchte herausschiebt. Dann den Steckerteil der Leuchte gegen Fahrzeugboden schieben bis es "Klick" macht. Damit schiebt man den Steckerteil aus der Plastikhalterung am Chassis. Vorsichtig sein und nichts abbrechen!

    ACHTUNG! Die Muttern dürfen NICHT zwischen die Chassisbleche fallen, dann sind Sie effektiv unwiederbringlich verloren! Vorsichtig sein, die Knarre mit Nuss vorsichtig nach Unten neigen und die Mutter mit den Fingern festhalten. Magnetische Nüsse sind hier ein großer Vorteil!


    Wenn diese Muttern gelöst sind, kann die Leuchteneinheit einfach nach Außen hin in geradem Zug herausgenommen werden. Dies bietet uns von Außen (idealerweise) folgenden Anblick:

    reparatur5.jpg

    Wenn das so aussieht, dann ist hier keine weitere Aktion notwendig. Feucht abwischen (Desinfektionsspray auf Ethanolbasis ist hier wie üblich wieder hilfreich da es schnell verdunstet und man nicht warten muss).


    Sollte sich folgendes Bild bieten:

    reparatur6.jpg

    War schon einmal jemand hier. Und hat gepfuscht! Silikonreste oder Karosseriedichtmasse sind hier nicht selten! Wenn das der Fall ist, benötigen wir zusätzlich zu den o.G. Dingen:


    - 1 Plastik(!!!)schaber

    - Robustes Waschtuch

    - Waschbenzin


    Dies wird die Arbeitszeit DEUTLICH erhöhen!


    Zunächst die ganze Leuchtenaussparung mit einem mit Waschbenzin angefeuchteten Tuch auswischen. Jetzt ist Ausdauer gefragt: Mit dem Plastikschaber und Fingerspitzengefühl das Silikon bzw. die Dichtmasse behutsam vom Lack trennen. Extreme Vorsicht ist NICHT notwendig, aber keine Schruppscheiben oder dergleichen verwenden!! Bis auf den Lack sauber herunterarbeiten! Mit dem Waschbenzin lässt sich das Silikon bzw. die Dichtmasse tränken ohne dass der Lack angegriffen wird, das macht das Silikon trocken und einfacher lösbar.


    Wenn das geschaft ist, mit einem feuchten Tuch nachwischen und abtrocknen lassen. Wenn jetzt Kratzer sichtbar werden, ich konnte insbesondere an den Löchern für die Leuchtengehäusebolzen einige Macken finden, kann man Diese fix mit Brunox Epoxy einsprühen, um auf Nummer Sicher zu gehen dass kein Rost auch nur den Hauch einer Chance verspürt. Ablüftzeit hier etwa 45 minuten bis Anderthalb Stunden, bei direkter Sonne kann ab 45 Minuten Wartezeit weitergearbeitet werden.


    In allen Fällen ist jetzt die Rückleuchte fällig. Hier ist mit dem Handbohrer eine kleine Operation notwendig: Die Leuchte muss am tiefsten Punkt des "Tränensackes" angebohrt werden. Dies sollte in der Falz zwischen Plexiglas und Grauem Leuchtengehäuse geschehen, dann ist die Bohrung effektiv unsichtbar!


    reparatur7.jpg

    Der Blaue Pfeil zeigt, wo Ich die Bohrung gesetzt habe. Je nach "Füllstand" kommt hier einiges an Wasser herausgetropft, also abwarten und austropfen lassen. Nur so tief bohren, bis es anfängt zu tropfen! Dann ist die Bohrung wirklich nicht auszumachen und stört die Optik nicht.

    Dieses Bohrloch wird NICHT wieder verschlossen, es dient dem Luftaustausch innerhalb des Leuchtengehäuses! Es kann über dieses Loch kein Wasser direkt ins Gehäuse zurück eindringen!


    Jetzt die Leuchte "auseinanderbauen". Oben auf der Leuchte ist die Plastikabdeckung (Im kommenden Bild mit Blau eingekreist) befestigt. Sie sitzt in Drei Plastikcliphaltern. Vorsichtig entfernen.

    reparatur8.jpg


    Wenn dies getan ist, beginnt die eigentliche Arbeit: Die Falz zwischen Außenglas und Gehäuse ist zu 90% der Urheber der Feuchtigkeitsprobleme. In diese Falz wird nun Captain Tolleys Creeping Crack Cure hineingeträufelt. Die Flaschenspitze ist fein genug um präzise Tropfenweise in diesen Spalt hineinzunavigieren. Die milchige Flüssigkeit in einem zusammenhängenden Strich in diesen Spalt träufeln, die Leuchte gerade hinlegen und nun 30 bis 40 Minuten warten. Nach dem Hineinträufeln beobachten!! Die Flüssigkeit sucht sich jede Ritze und jeden Spalt, egal wie Klein, und läuft hinein. Dort, wo Sie nach 1-2 Minuten schon verschwunden ist, ist mit Sicherheit ein Leck. Die Stelle Merken und nach der Wartezeit erneut behandeln.

    Die Lecksuche ist abgeschlossen, wenn sich die Flüssigkeit nichtmehr in Ritzen verkriecht, also im Spalt gut sichtbar stehen bleibt. Nach 40 Minuten ist die Flüssigkeit grifffest ausgehärtet und man kann mit dem Wiedereinbau der Leuchte beginnen. Sollte etwas danebengehen, die Flüssgkeit mit einem feuchten Lappen umgehend (!) abwischen. Hier ist der Wegwerflappen hilfreich, die Flüssigkeit ist Acryl und verklebt den Lappen.


    reparatur9.jpg

    Der gute Stoff!


    Jetzt kann wieder zusammengebaut werden, aber es ist ein weiterer Schritt empfehlenswert!

    Die Rückseite der Leuchten wird mit einer Schaumgummidichtung gegen die Karosserie abgeschirmt. Diese Dichtung ist über Pflege immer glücklich und wird mit längerer Standzeit und Dichtigkeit glänzen. Die Dichtung allseitig vom Rand der Leuchte etwas anheben und großzügig mit Gummipfleger einpinseln. Gut einmassieren, gut verteilen. Ich nutze Sonax Gummipflege, weil Sie lokal günstig zu bekommen ist, Marke spielt hier aber keine Rolle.


    reparatur10.jpg

    Ebenfalls guter Stoff!


    5 minuten warten bis die Gummipflege tief ins Material eingezogen ist, dann alles wieder verbauen.


    Beim Verbauen darauf achten, die Muttern auf den Stehbolzen der Rückleuchten nicht festzuziehen wie Hulk, denn damit kann man die Stehbolzen sehr einfach aus dem Leuchtengehäuse reißen. Falls das passiert, mit teilflexibilisiertem Cyanacrylat Sekundenklebstoff (den wir ja noch von unserer Reparatur an den Fensterhebern übrig haben!) die Bolzen einschmieren (großzügig!) und mit dem groben Gewinde wieder in ihr Löchlein drehen.


    Die Leuchten sind natürlich wieder mit den Steckern mit dem Rest des Fahrzeuges zu verbinden! Filzabdeckungen wieder anbringen, Hutablage wieder einhängen, fertig.


    Dies sollte den feuchten Heckleuchten bei der 939 Baureihe dauerhafte Abhilfe schaffen.



    Die Captain Tolleys Behandlung ist auch bei frisch gekauften und noch nicht verbauten Rückleuchten möglich und sollte theoretisch dem Wassereinbruch vorbeugen.

  • Vielen lieben Dank, Top Beschreibung, dann sollte ich mir mal dieses Captain Tolleys zulegen 👍


    Edit: Gerade bei Amazon bestellt, soll schon morgen ankommen...

    LG

    Daniel