zyon
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Zur Mythologie des Nordlichtes
Seit jeher erfreute der Tageshimmel mit lichtem Blau, das bisweilen mit
weiß schimmernden Wolken durchsetzt war.
Unter diesem Himmel gingen die Guten ihren Göttern gefällig ihrem Tagewerk nach.
Der gelegentliche Regen konnte ihnen den Tag nicht verdrießen, sie wußten,
dass ihnen die Götter als Ausgleich die Regenbögen ans Firmament heftete,
einen kleinen und einen großen, wie eine eigenwillig gestaltete geordnete
Farbpalette.
Ihre Ordnung und Erhabenheit mussten ohne Zweifel göttlicher Natur sein.
Unter Tage aber, im Dunkel, mußte man Dämonen verorten, das Böse,
das Unheimliche. Der fahle Mond und die schwachen Sternfunzeln
mochten keinem ehrbaren Schaffen nützlich sein.
Der Herrscher der Nacht wollte aber Anerkennung und Respekt gewinnen
und verfiel auf den Plan, das allzu gefällige, sprich: langweilige Spektakel
der Regenbögen auf seine Art zu inszenieren.
Er schlich sich in den Theaterfundus der Götter, entnahm gewaltige Mengen
aus dem Farbkasten für die Regenbögen und verzog sich unentdeckt in
sein Reich der Nacht.
Ordnung am Himmel. Das war nicht seins.
Er war das Chaos, das Wilde, das Ungestüme.
Er schleuderte die Farben ins Firmament, wild durcheinander,
heuerte Winde und Stürme an, ließ sie die Farben verquirlen, verblasen,
den Himmel nach Belieben einfarbig färben, dann die Farben wieder
aufsaugen und in anderen Mischungen wieder ausspeien.
Er sah sein Werk und wußte augenblicklich, dass die Götter der Regenbögen
ihm seine Aufführung neideten und er zahlreiche Freunde der Nacht
gewinnen würde.