sehr ehrlicher und interessanter Leitartikel in der aktuellen "Sport Auto"
IM BERMUDADREIECK DER REALITÄT
IST DIE REALITÄT NOCH DIE REALITÄT? ODER SCHAFFT ERST DIE MEDIALE ABBILDUNG EINE REALITÄT? GIBT ES WOMÖGLICH SOGAR EINE ALTERNATIVE REALITÄT?
Kommt Ihnen das nicht auch manchmal spanisch vor? So ein Gefühl, als ob das, was Sie überall lesen, irgendwie nicht mit dem zusammenpasst, was Sie sehen und hören, draußen in Ihrer realen Welt?
Keine Sorge, der Chefredakteur von sport auto ist nicht zum Verschwörungstheoretiker geworden, aber ich finde, die Kluft zwischen dem, was uns verkauft werden soll, und dem, was die Leute kaufen wollen, wird immer größer. Beispiel Auto: Die Politik hat uns die E-Mobilität verordnet und mit Kaufprämien den regulären Wirtschaftskreislauf aus Nachfrage und Angebot außer Kraft gesetzt.
Dann ist da sozusagen als zweite Instanz die veröffentlichte Meinung in den Medien. Da ist ebenfalls alles stramm auf Weltverbesserung gebürstet, es gibt nur eine Richtung: Der Verbrenner ist tot, es lebe die Batterie, und wer nicht mitmacht, ist entweder dumm oder leugnet den Klimawandel oder beides.
Nebensatz: Ich finde es dramatisch und beschämend, dass die großen journalistischen Leitmedien in Deutschland kaum noch in der Lage sind, die E-Mobilität kritisch zu bewerten, was übrigens nicht bedeuten soll, dass man sie für viele Anwendungsbezüge nicht als die richtige Lösung sehen kann.
Mein Bermudadreieck ist aber nicht vollständig und wäre nicht so verstörend ohne meine wahrnehmbare und beobachtbare Realität im Alltag. Wie früher auch diskutiere ich mit Freunden und Nachbarn, alles keine Autoprofis, was sie sich kaufen wollen oder können. Kaum einer will ein Elektroauto, die Argumente sind seit zehn Jahren dieselben: zu wenig Reichweite, viel zu wenig Ladesäulen, ganz viel zu teuer. Im Einklang mit der Realität
Lebe ich also in einer falschen Realität? Oder vermitteln mir die Medien eine falsche Realität, die mich meine Realität als falsch empfinden lässt? Ich kann es nicht wirklich sagen. Gestern las ich eine repräsentative Umfrage zum Thema E-Autos unter 5000 Autofahrern.
Das Fazit? Nur ein Drittel der Befragten hat „schon einmal darüber nachgedacht“, auf ein Elektrofahrzeug umzusteigen. Nur jeder Achte will ein Auto mit Elektromotor, jeder Fünfte würde sich allerdings ein Auto mit Wasserstoffantrieb kaufen. Sie glauben gar nicht, wie erleichtert ich war, denn die Aussagen deckten sich mit meiner Realität. Für einen kurzen Moment befanden sich meine Wahrnehmung von der Realität und die Realität mal wieder im Einklang.
Sie erreichen Marcus Schurig unter der E-Mail-Adresse mschurig(at)motorpresse.de
Da traut sich mal einer der Journalisten die Wahrheit auszusprechen... 