Ja, der Klassiker ist, dass der Handbremsmechanismus festgammelt, d. h. die Welle von dem Handbremshebelchen am Bremssattel schwergängig ist und nicht mehr zurückgeht und die Bremse nicht mehr frei gibt.
Man kann das Hebelchen mit je nach dem mehr oder weniger Kraftaufwand per Zange, Hammer, Montiereisen o. ä. zurückdrehen, und soweit nichts anderes fest ist, wird die Bremse frei. Bis man das nächste Mal die Handbremse wieder anzieht.
Bei Mechanikern ist das ja oft wie bei den Schustern und ihren Schuhen. Die ziehen dann halt nie die Handbremse an. Und wenn es doch mal erfolgt, haben sie einen alten großen Schraubenzieher in der Türablage, mit der man das Hebelchen am Sattel zurückstellen kann. Bei manchen Autos geht das bequem durch die Felge hindurch.
Klassisches Gangbarmachen mit Sprühöl und hin und her bewegen bringt meistens nichts, weil man an den Eingang der Hebelwelle am Sattel gar nicht richtig hinkommt oder das Öl nicht reinkommt. Und wenn es doch klappt, ist es natürlich nicht von Dauer.
Das Ganze kommt davon weil bei diesen Sätteln die Abdichtung der Welle im Bremssattel nach außen vonseiten Lucas Girling TRW vorsätzlich schlecht konstruiert und ausgeführt wurde.
Auch damals, als die ersten Colette Handbremssättel in Serie kamen, hätte man die Abdichtung schon besser machen können, so dass nicht ganz so oft Reparaturen beziehungsweise - da vonseiten der jeweiligen Autohersteller gar keine Reparatur vorgesehen ist - Erneuerung der Sättel nötig sind.
Aber das ist von den Autoherstellern nicht gewünscht.
VW Audi bietet als Originalersatzteile schon lange Austauschbremssättel an, also "nach Maßstäben der Neuteile-Serienproduktion" unter Verwendung geprüfter und aufgearbeitet Teile hergestellte Sättel. Die kosten etwas weniger als ganz neue Sättel. Verbesserungen gibt es jeweils keine. Ich habe auch mitbekommen, dass die teuren Original VW Audi Austauschsättel nach ein paar Jahren wieder fest fest gingen. Genauso ganz neue originale Sättel.
Bei hinteren Bremssätteln dieser Bauart spricht also - im Gegensatz zu anderen Bremsteilen - von der Haltbarkeit her nichts dafür, Originalteile zu verwenden.
Neben den echten Austauschsätteln, bei den Gehäuse und Kolben wiederverwendet wurde, gibt es falsche Austauschsättel, die tatsächlich Nachbauten sind, aber als Austauschsättel / Reman(ufactured) etc. verkauft werden sowie eben die Nachbauten.
Bei den unzähligen im freien Teilehandel angebotenen Colette Sätteln steht oft was von Lucas, Girling und TRW dabei, aber das dient nur zur Irreführung und/oder als Hinweis dass es sich um einen Bremssättel vom System Lucas Girling bzw. TRW handelt. Nur wenn ausdrücklich TRW als Hersteller genannt wird und in TRW Verpackung geliefert wird, ist es auch von TRW, dem "OEM" in diesem Fall.
Die Bandbreite geht also vom sauteuren Bremssattel als Originalteil von VW, Alfa etc. und den original-nahen von TRW über die Sättel von Budweg, Hella, Bosch, Ferodo, Brembo etc. zu den unzähligen Billigmarken, Phantasiemarken und No-Name Produkten. Spätestens ab den Billigmarken kommen das Zeug aus China. Die Sättel von den o.
g. bekannten Marken können zugekauft oder im eigenen Konzern aufgearbeitet oder/und neu produziert sein.
Budweg produziert und arbeitet selbst Bremssättel auf, hat sich da spezialisiert und verkauft auch Überholsätze und Einzelteile, was sehr lobenswert ist.
Wenn ich betroffen wäre, mir das Auto nahe steht, Zeit hätte und ich möglichst lange Ruhe haben will, würde ich die Sättel ausbauen oder identische Gebrauchte besorgen, alles zerlegen, dazu mir die Spezialzange von einem Spezl ausleihen oder gleich ihn die Scheißarbeit machen lassen, alles entrosten, soweit notwendig Teile erneuern und bei den relevanten Teilen, insbesondere der Wellenabdichtung, tagelang recherchieren, rumtelefonieren und mailen, ob man die nicht in einer besseren Qualität und Ausführung bekommt. Oder/und ob man mit zusätzlicher Abdichtung und Abschirmung was verbessern kann. Das Ganze würde ewig bis unendlich dauern und wenn das Auto gefahren werden würde, dann immer ohne die Handbremse zu betätigen, mit Zange und Hebel in der Türablage und regelmäßig Strafzetteln unterm Scheibenwischer wegen abgelaufenen TÜV.
Mein Spezl würde sagen ich soll nicht rumspinnen, nur den festen Sattel rausnehmen, die Teile ein bisserl entrosten, mit neuen Dichtungen wieder zusammenstecken, einbauen, fertig. Für paar Jahre sollte man dann wieder Ruhe haben.