Zwei Dinge vorab:
Bremsscheiben samt Belege (original - Brembo)
Das ist nicht richtig.
Entweder waren originale Scheiben und Beläge oder Ersatzteile von Brembo aus dem freien Handel verbaut.
Original Alfa Romeo Bremsscheiben und Beläge sind qualitativ erheblich besser als die unter dem Namen ATE und deutlich besser als die unter Brembo vertriebenen Teile.
Trotzdem kann man jetzt nicht sagen, dass Bremsen quietschen weil der Reibbelag der Beläge minderwertig ist.
Bremsenquietschen ist isoliert betrachtet kein Symptom schlechter Materialqualität der Bremsbeläge und Scheiben. Bremsenquietschen sind hörbare Schwingungen und Schwingungen sind praktisch die technisch normalen. sozusagen naturgegeben Begleiterscheinung beim Bremsen.
Es kommt nur drauf an, wie gut es den Konstrukteuren gelingt, die hörbaren Schwingungen zu kompensieren. Das ist enorm schwierig und hängt von vielen Faktoren ab die alle in einer Kette miteinander wirken - oder eben nicht. Verändert man einen Faktor in der Kette, ob Reibbelagmischung, Gewichte, Vorspannungen, Winkel usw. usw., kann es wieder quietschen.
Nachdem Alfa 159 von Haus aus nicht mit Bremsenquietschen auffallen, versprechen Originalteile und Komponenten in serienmäßigen Zustand weitgehende Quietschfreiheit.
Muss man mit anderen Teilen klarkommen oder quietscht es trotzdem, sind erst mal alle relevanten Komponenten zu prüfen, von den Gelenken der Radaufhängung über die Bremssättel, u. a. deren Montage, ob alles in der Flucht ist, ob Kolben freigängig und ggf. nicht verdreht sind, die Belagaufnahmen in Ordnung sind usw., ob bei den Klötzen, Montageteilen und Antiquietschteilen alles in Ordnung ist, ob das Verschleißbild passt und ob alles vorhanden ist. Letztere liefern viele Anbieter von Ersatzbremsbelägen nicht mit und die die ggf. werksseitig vorhandenen fliegen raus und später weiß man gar nicht, ob und ggf. was da ursprünglich vorgesehen war um das Quietschen zu reduzieren.
Ist das alles soweit Ordnung, kommt man in der jeweiligen Situation nicht weiter, kann oder will nicht alles (nochmal) erneuern, muss man improvisieren und Probieren.
Andere Anti-Quietsch-Pasten verwenden, Vorspannung (mit Bedacht) der Klötze verändern, soweit in anderer Laufrichtung einsetzen, die Kanten anfasen usw.
Weiter kann man, wenn originale keine vorhanden sind, geeignete Anti-Quietsch-Pads, -Bleche, Kolbeneinsätze etc. anbringen oder die original vorhandenen durch andere ersetzen.
Auch umgekehrt hat man schon Erfolge verzeichnen können. Manchmal ungewollt. Z. B. wenn für den Einsatz im Motorsport alles an Beschichtungen, Pads, Blechen usw. im Bereich der Klötze entfernt wurde und danach erstaunlicherweise die Bremsen weniger quietschen als vorher.
Bei allen Maßnahmen und Methoden der Bekämpfung von Quietschen muss man damit rechnen, dass eine erreichte Verbesserung nicht für immer bestehen wirkt. Im Laufe der Zeit durch Verschleiß, Schwund, Korrosion etc. kann es wieder anfangen zu Quietschen.
Oder nach einer intensiven Belastung, z. B. Passabfahrt, sportlicher Fahrt, Hochgeschwindigkeitsbremsung etc. Bei sowas kann sich umgekehrt auch ergeben, dass danach eine zuvor quietschenden Bremse ruhig ist.
Die genannten quietschrelevanten Faktoren (Verschleiß, Alterung, Belastung etc.) können durch Probleme mit mangelndem Rundlauf, Unwuchterscheinungen und den daraus entstehenden Vibrationen beschleunigt und verstärkt werden.
Im Falle des TE sollten deshalb unbedingt die Ursachen der geschilderten Vibrationen ermittelt und beseitigt werden.
Davon ausgehend, dass im Bereich der Radaufhängung alles überprüft wurde, Lager und Gelenke spielfrei, Gummilager ordnungsgemäß zäh sind, nichts verzogen ist, die Räder ausgeleuchtet sind und keinen Schlag haben, wird die Ursache im Bereich der Radbefestigung liegen.
Neben eigentlich offensichtlichen Sachen wie z. B. ungeeignete Beschichtungen, Dreck, Fremdkörper etc. auf den Auflageflächen der Radnaben, Bremsscheiben sind am häufigsten sind Distanzscheiben, Lochkreisadapter und/oder Zubehörfelgen die Ursache. Und das manchmal sogar, wenn sie gar nicht mehr montiert sind.
Genauso wie falsch angezogene Radschrauben/Muttern können solche Teile die Radnaben verformen und so auch dauerhaft schädigen.
Das fiese bei solchen Problemen ist, dass die Wirkung dynamisch erfolgt und durch Resonanzen verstärkt werden kann. Auf der Wuchtmaschine und auch bei der Prüfung mit montierten Rädern am Auto kann alles schön rund und innerhalb der Toleranzen laufen.
Aber im Fahrbetrieb unter Einwirkung der ganzen Kräfte kommen Faktoren zum tragen, verstärken sich, schaukeln sich gegenseitig auf und die Kistefängt an zu vibrieren.