Allgemeine Kaufcheckliste für den Alfa 159

  • Meine allgemeine Kaufcheckliste für den Alfa 159

    Bewertung pro Punkt:

    • OK = kann man mit leben
    • REP = muss gemacht werden, Kosten notieren und vom Preis runterhandeln
    • STOPP = Kauf abbrechen, nächstes Auto

    Grundregel: Alle REP-Posten zusammenzählen. Über 1.500 Euro insgesamt oder ein einziges STOPP -> weiterfahren und das nächste Angebot anschauen. Nicht diskutieren, nicht verlieben.


    Mitnehmen: Taschenlampe, OBD-Bluetooth-Adapter (10 Euro), Lappen, Magnet, Checkliste, jemand Zweites zum neutralen Draufschauen.


    Vorab am Telefon

    • Scheckheft oder Rechnungsordner vorhanden? Lückenlos = gut. Gar nichts = beim JTS-Benziner gleich lassen, bei den anderen dickes Warnsignal.
    • Steuerkette (JTS) bzw. Zahnriemen (Diesel/TBi) gewechselt? Mit Rechnung?
    • Ausdrücklich aussprechen: Motor bitte kalt lassen. Wenn der Wagen bei der Ankunft warm ist, dann war das beabsichtigt. Dann entweder einen anderen Termin vereinbaren oder besser gleich STOPP.
    • Wie viele Vorbesitzer, letzte HU-Berichte da?

    Karosserie und Rost

    • Radläufe hinten, Türunterkanten, Bereich Heckklappe. Flugrost = OK. Blasen/Ansatzrost = REP, 300-600 fürs Machen lassen. Durchrostung = STOPP.
    • Unterboden und Achsträger anschauen, am besten auf der Hebebühne. Oberflächenrost normal. Tragende Teile angegriffen = STOPP, das wird ein HU-Thema.
    • Auspuff: angerostet, aber dicht = OK. Endtopf durch = 200-350. Ganze Anlage marode = 600+, dann lohnt es kaum noch.
    • Spaltmaße vergleichen, mit dem Magneten über verdächtige Stellen (Spachtel) streichen. Verzogene Spaltmaße oder verschwiegener Unfall = STOPP.
    • Frontscheibe auf Steinschläge, im Sichtfeld wird's HU-relevant. 100-400.

    Wasser im Innenraum - beim 159 Pflichtprogramm

    Der Punkt entscheidet mit, weil im Beifahrerfußraum Steuergeräte sitzen. Wasser plus Elektronik sind beim Auto ein Fass ohne Boden.

    • Teppiche vorne anheben, vor allem auf der Beifahrerseite. Mit der Hand drunter fühlen. Trocken = gut. Feucht = Ursache suchen (meist verstopfter Wasserkasten unter der Frontscheibe, 50-150 plus Trocknung). Richtig nass oder modriger Geruch = STOPP.
    • Kofferraum: Reserveradmulde aufmachen. Stehendes Wasser oder Rost in der Mulde = STOPP. Feuchte Ecken = Dichtungen Rückleuchten/Heckklappe, 50-150.
    • Bei Schiebedach: Dachhimmel und A-Säulen auf Wasserränder. Abläufe verstopft = 50-100. Aufgequollener Himmel = da stand länger Wasser drin.
    • Scheiben von innen beschlagen beim Reinkommen? Schlechtes Zeichen, Ursache klären.

    Fahrwerk und Bremsen

    Der 159 ist schwer, die Vorderachse leidet. Das ist DIE Verschleißbaustelle.

    • Langsam über Kopfsteinpflaster oder Bordsteinkanten rollen. Poltern/Klacken vorne = Führungsgelenke/Querlenker, komplett 400-800. Kommt bei fast jedem, also einpreisen.
    • Federn: Mit Taschenlampe durch die Felge auf die unterste Windung schauen, vorne an beiden Seiten. Bruchstellen glänzen meist rostig-blank. Gebrochene Feder = 250-450 pro Achse, immer paarweise. Steht das Auto schief oder klonkt es metallisch beim Einfedern - genau da suchen.
    • Im Stand voll einlenken, in beide Richtungen. Knacken = Domlager oder Antriebswellen.
    • Lenkung: Spiel am Lenkrad? Spurstangen/Koppelstangen 100-300. Lenkgetriebe selbst defekt = 1.000+, dann STOPP.
    • Hinterachsbuchsen auf Risse (Hebebühne).
    • Radlager: bei Autobahntempo Brummen, das sich in Kurven ändert. 150-300 pro Lager.
    • Reifen: einseitig abgefahren = Achsgeometrie oder ausgeschlagene Gelenke. Extrem einseitig = vor Kauf klären lassen oder STOPP. Neue Reifen fällig = 400-600 einrechnen.
    • Bremsen: Scheiben mit Rostrand/Riefen, das Auto verschleißt Bremsen zügig. Rundum neu = 400-600.
    • Handbremse am Berg testen, Seilzüge gammeln gern fest, 150-300.

    Elektrik und Innenraum

    • Zündung an, NICHT starten: alle Warnleuchten müssen angehen und nach dem Start wieder ausgehen. Airbag- oder ABS-Leuchte bleibt an = HU-Problem. Kommt eine Leuchte gar nicht erst = wahrscheinlich stillgelegt, STOPP.
    • Airbagleuchte an ist beim 159 oft nur der Sitzsensor Beifahrersitz oder ein Stecker unterm Sitz, 100-300. Aber ohne Diagnose nicht auf gut Glück kaufen.
    • Alle vier Fensterheber mehrfach rauf und runter. Einer träge = 100-250. Mehrere tot plus andere wirre Fehler = Richtung Body-Computer oder Wasserschaden, dann STOPP.
    • Kombiinstrument: Pixelfehler = Schönheitsfehler, kann man mit leben. Sporadische Komplettausfälle = Finger weg.
    • Klima: muss richtig kalt kommen. Nur Service/Befüllung = 100-150. Kompressor hin = 800+, STOPP oder massiver Nachlass.
    • Xenon falls verbaut: beide Seiten testen. Brenner 150-300, Steuergeräte teuer.
    • Parksensoren (einzelner Sensor 50-120), Zentralverriegelung alle Türen, Licht rundum, Sitzheizung.
    • Blue&Me spinnt oft, damit kann man leben.
    • Wichtig zu wissen: eine müde Batterie produziert beim 159 wilde Fehlermeldungen quer durchs Auto. Bevor man wegen zehn Fehlern panisch wird, erst Batteriezustand prüfen (100-150 für eine neue).

    Motor allgemein - egal welcher

    • Kaltstart selbst machen und 30 Sekunden nur zuhören. Rasseln, hartes Klackern, starkes Nageln, blauer oder weißer Qualm = STOPP.
    • Öldeckel auf: sauberer honigbrauner Film = gut. Verschlammt = Wartung war mau, einpreisen. Heller Schleim ("Mayonnaise") = Kopfdichtung, STOPP.
    • Kühlwasser: sauber und auf Stand. Ölschlieren oder brauner Schlamm drin = STOPP.
    • Fehlerspeicher mit dem OBD-Adapter auslesen, vor UND nach der Probefahrt. Ein, zwei erklärbare Kleinigkeiten sind bei dem Alter normal. Komplett frisch gelöscht und der Verkäufer mauert = verdächtig.
    • Kupplung: rupft, zittert, Druckpunkt ganz oben, Rasseln im Leerlauf das beim Kuppeln weggeht = Zweimassenschwungrad plus Kupplung, 1.000-1.400. ein Abbruchgrund, außer der Preis geht entsprechend runter.
    • Getriebe: alle Gänge, auch kalt. Der 2. hakelt kalt gern etwas, bekannt. Kratzen in mehreren Gängen = lassen.
    • Nach der Probefahrt Motorraum und Stellplatz auf frische Öl-/Wasserflecken absuchen. Schwitzen an Dichtungen = normal bei dem Alter. Tropfen = klären.

    Je nach Motor

    1.9 / 2.2 JTS (Benziner)

    Das große Thema ist die Steuerkette. Wechsel kostet 1.500-2.000, weil bescheiden verbaut.

    • Rechnung über Kettenwechsel da = beste Ausgangslage.
    • Keine Rechnung, aber Kaltstart absolut ruhig = Risiko, das man eigentlich mit 1.500 einpreisen müsste.
    • Rasseln beim Kaltstart = STOPP. Keine Diskussion, keine "das macht der immer"-Geschichten. Dazu: unrunder Leerlauf/zähe Gasannahme = verkokte Einlassventile (Direkteinspritzer), Reinigung 300-600. Ölverbrauch erfragen, bis ~1 Liter auf 1.000 km beobachten, deutlich mehr plus blauer Rauch = lassen. Nockenwellenversteller-Fehler im Speicher = 300-700.

    3.2 V6 JTS

    Gleiches Kettenproblem, Wechsel noch teurer (2.500+, Motor muss teils raus). Ohne Kettennachweis = STOPP.

    1750 TBi (ab 2009)

    Zahnriemen alle 5 Jahre / 120.000 km - überfällig ohne Nachweis = Motorschadenrisiko, STOPP oder sofort machen lassen (500-700).

    1.9 / 2.4 JTDM (Diesel)

    Mechanisch die robustere Wahl, aber eigene Baustellen:

    • Zahnriemen plus Wasserpumpe: Nachweis? Fällig = 500-700. Weit drüber bei hoher Laufleistung = STOPP.
    • Drallklappen im Ansaugkrümmer: Ruckeln, Leistungsloch = verkokt, Reinigung 300-500. Nachweis über Reinigung oder Stilllegung ist viel wert. Deutlicher Leistungsverlust plus voller Fehlerspeicher = STOPP, wenn Klappenteile abbrechen, wandern die in den Motor.
    • AGR verkokt: unruhiger Lauf, Notlauf, 200-400.
    • Turbo: Pfeifen/Heulen, blauer Rauch unter Last = Lader 1.000-1.500, STOPP. Leichtes Ölschwitzen am Lader = beobachten.
    • DPF: War das ein Kurzstreckenauto? Dann Ärger wahrscheinlich. Regeneration/Service 100-200, DPF komplett hin 800-1.500 = STOPP.
    • Zweimassenschwungrad rasselt bei den Dieseln gern, siehe oben, mit Kupplung 1.000-1.400.
    • Injektoren: hartes Nageln kalt = pro Stück 200-400.
    • Ölstand: ÜBER Maximum = Ölverdünnung durch DPF-Regenerationen, Warnsignal für Kurzstrecke.
    • Beim 2.4: der Fünfzylinder ist schwer, Vorderachse und Federn doppelt gründlich anschauen.

    Probefahrt (mindestens 20-30 Minuten, mit Autobahnanteil)

    1. Kaltstart selbst, zuhören
    2. Langsam über schlechte Straße - Poltern?
    3. Volleinschlag links/rechts im Stand - Knacken?
    4. Durchbeschleunigen 80 auf 120 - zieht er sauber, was kommt hinten raus?
    5. 100-130 halten - Brummen, Vibrationen?
    6. Kräftig bremsen - zieht er einseitig, rubbelt was?
    7. Alle Gänge, mehrfach in den 2.
    8. Danach: Motorraum, Boden, Fehlerspeicher nochmal

    Entscheidung

    • Alles OK, Historie sauber, Kette/Riemen belegt: kaufen, dafür darf er auch was kosten.
    • REP-Summe bis ~800: kaufen, Summe runterhandeln.
    • REP-Summe 800-1.500: nur bei richtig gutem Grundzustand und deutlichem Nachlass.
    • REP-Summe über 1.500: aussteigen.
    • Ein STOPP-Punkt: aussteigen. Auch wenn er rot ist und schön dasteht.

    Als Reserve fürs erste Jahr 1.500 beiseitelegen (Fahrwerk kommt sicher irgendwann). Bei ernsthaftem Interesse lieber noch 100-200 für einen Check auf der Hebebühne (ADAC, Dekra, freie Werkstatt) ausgeben.